Ernährung
Bei der Erstberatung ist die Problematik der Nahrungsaufnahme zu besprechen. Viel zu schnell wird häufig ersatzweise die Ernährung mittels einer Magensonde sichergestellt und mit der Flaschenfütterung begonnen.
Warum ist die Ernährung herausfordernd?
Um zu verstehen, warum Kinder mit LKGN-Fehlbildungen Unterstützung beim Trinken brauchen, muss man den normalen Saugvorgang verstehen:
Der Saugmelkvorgang
Beim normalen Stillen passiert Folgendes:
- • Das Baby dockt an die Brust an
- • In der geschlossenen Mundhöhle entsteht ein Unterdruck
- • Die Kombination aus Nasenatmung und Unterdruck ermöglicht das "Herausarbeiten" der Milch
- • Stillen ist ein Prozess, der vom Säugling ausgelöst wird – nicht von der Mutter
Das Problem: Bei einer Gaumen-Fehlbildung ist dieser Unterdruck in der Mundhöhle nicht möglich. Die Eltern müssen dem Kind daher portionsweise die Milch in den Mund geben, in der Menge, die es herunterschlucken kann. Saugen funktioniert nicht – Runterschlucken sehr wohl!
Stillen ist trotzdem möglich!
Das Stillen ist auch bei Kindern mit LKGN-Fehlbildungen möglich. Es gibt spezielle Techniken, um das Kind an die Mutterbrust zu gewöhnen. Die Prägung von Mutter und Kind erfolgt noch auf der Entbindungsstation.
Vorteile des Stillens
- • Stärkung der Mutter-Kind-Bindung
- • Optimale Nährstoffversorgung
- • Training der Mundmuskulatur
- • Förderung der natürlichen Entwicklung
Die Mund-Nasen-Trennplatte
Eine individuell angepasste Trennplatte ist ein wichtiges Hilfsmittel. Sie gibt dem Kind für seine Zunge eine Anlagerungsfläche in einem "Pseudogaumengewölbe".
Was die Trennplatte bewirkt:
- • Verbessert die Nasenatmung
- • Gibt der Zunge ein Widerlager am Gaumen
- • Erleichtert den Eltern das Füttern erheblich
- • Verhindert, dass die Zunge in die Nase "schlüpft"
Hinweis: Die Trennplatte ermöglicht noch nicht das eigenständige Saugen, aber sie macht die Ernährung deutlich leichter.
Weitere Hilfsmittel
Wenn das direkte Stillen nicht möglich ist, gibt es verschiedene Hilfsmittel und Techniken:
- Spezielle Sauger für Spaltkinder (z.B. Haberman-Sauger)
- Stillhütchen
- Spezielle Flaschen mit weichem Sauger
- Abpumpen und Füttern mit angepassten Hilfsmitteln
Tipps für die Fütterung
Position
Aufrechte Position beim Füttern (ca. 45-60 Grad) verhindert das Verschlucken
Häufigkeit
Kleine, häufige Mahlzeiten sind oft besser verträglich
Pausen
Regelmäßige Pausen zum Aufstoßen einlegen
Geduld
Fütterungen können länger dauern - das ist normal
Wichtig: Lassen Sie sich nicht entmutigen! Mit der richtigen Unterstützung und etwas Übung gelingt die Ernährung in den allermeisten Fällen gut. Wir beraten Sie gerne individuell.
Löffelessen und Bechertrinken – Therapie im Alltag
Ab etwa dem 6. Lebensmonat – wenn die erste OP erfolgt ist – beginnen Kinder auch mit festerer Nahrung. Das Löffelessen und Bechertrinken ist dabei nicht nur Ernährung, sondern gleichzeitig wertvolle Therapie:
Therapie im Alltag: Wenn Sie Ihrem Kind zeigen, wie es richtig vom Löffel isst und aus dem Becher trinkt, trainieren Sie automatisch die richtigen Bewegungsmuster – jeden Tag, bei jeder Mahlzeit.
Worauf Sie achten sollten:
- • Löffelessen: Löffel gerade in den Mund führen, nicht abstreifen an der Oberlippe
- • Bechertrinken: Mit dem Loopcup (entwickelt von Dr. Berndsen) kleine Schlucke üben, Lippen am Becherrand schließen
- • Kauen anbahnen: Weiche Stückchen zum Üben der Kaubewegung
- • Zunge beobachten: Geht sie nach oben zum Gaumen oder nach vorne?
Ihr Funktionstherapeut zeigt Ihnen genau, worauf Sie achten müssen. So wird jede Mahlzeit zur Übungseinheit – ohne zusätzlichen Aufwand.



