Logopädie
Die logopädische Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von LKGN-Fehlbildungen. Sie unterstützt die Sprachentwicklung und hilft bei Schluck- und Essstörungen.
Therapieziele
Sprachentwicklung
Förderung einer normalen Sprachentwicklung und Artikulation
Stimmbildung
Verbesserung der Stimmqualität und Resonanz
Schlucktherapie
Training der Schluck- und Essfunktionen
Mundmotorik
Stärkung der orofazialen Muskulatur
Funktionstherapie – schon vor der Operation
Die Funktionstherapie beginnt idealerweise direkt nach der Geburt. Spezialisierte Therapeuten wie Sabine Berndsen vom Institut für Spezielle Systemische Therapie begleiten Familien von Anfang an.
Frühe Förderung umfasst:
- • Unterstützung beim Ernährtwerden – Stillen oder Flasche
- • Arbeit mit der Mund-Nasen-Trennplatte
- • Stimulation für die richtige Zungenposition
- • Aufbau normaler Bewegungsmuster
Die Reizreaktionstherapie
Da Babys keine verbalen Anweisungen befolgen können, nutzen wir einen besonderen Mechanismus: Die Zunge ist das neugierigste Organ, das wir haben. Sie erträgt nichts im Mund, was dort nicht hingehört.
Das Prinzip
Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie ein Loch im Zahn haben oder etwas zwischen den Zähnen steckt? Die Zunge fummelt, bis es weg ist. Genau diesen Mechanismus nutzen wir:
- • Ein Reizkörper auf der Platte lockt die Zunge nach oben
- • Die Zunge folgt dem Reiz und trainiert unbewusst
- • Statt in die Spalte zu rutschen, entwickelt sie ein Bewegungsmuster zum Gaumen
- • Das Kind merkt es gar nicht – es passiert automatisch
Die OSP – Orale Stimulationsplatte mit Zungenloge
Die OSP (Orale Stimulationsplatte mit Zungenloge) wird vom ISST Unna (Institut für Spezielle Systemische Therapie) in Kooperation mit der LKGN entwickelt und individuell angepasst. Der Name "Zungenloge" beschreibt das Ziel: Eine Loge, in der die Zunge gerne ist – gemütlich und richtig positioniert.
ISST Unna – Das Institut für Spezielle Systemische Therapie unter der Leitung von Sabine Berndsen entwickelt und fertigt die OSP in enger Zusammenarbeit mit der LKGN und dem chirurgischen Team.
Anwendung
- • Nachts getragen
- • Tagsüber 2-3x 30 Minuten
- • Zum Essen/Trinken rausnehmen
- • Individuell angepasst
Wichtige Hinweise
- • Keine Perlen verwenden!
- • Weiche Kissen sind richtig
- • Nur von Spezialisten anfertigen lassen
- • Regelmäßige Kontrollen nötig
Warnung: Platten mit Perlen sind kontraindiziert! Eine Perle kann in jede Richtung bewegt werden und unterstützt möglicherweise sogar die falschen Bewegungsmuster. Lassen Sie sich nur von erfahrenen Therapeuten beraten.
Nach den Operationen – Der neue Start
"Funktionen kann man nicht operieren. Ich übe das Tennisspielen – das kann ich nicht operieren. Sondern ich muss Übungsprogramme mit dem Kind machen."
— Dr. Klaus Berndsen, LKGN Podcast
Nach den Operationen sind die anatomischen Voraussetzungen geschaffen. Jetzt beginnt eine wichtige Phase, in der Ihr Kind lernt, die neuen Strukturen zu nutzen:
Neue Möglichkeiten
- • Erstmals Unterdruck aufbauen
- • Normales Trinken und Essen
- • Natürliche Nasenatmung
- • Entwicklung der Mimik
Therapeutische Begleitung
- • Regelmäßige Übungseinheiten
- • Anleitung der Eltern
- • Beobachtung der Entwicklung
- • Anpassung nach Bedarf
Was Eltern beobachten können
In den Wochen und Monaten nach der Operation werden Sie positive Veränderungen bemerken:
- Verbessertes Trinkverhalten
- Leichteres Schlucken
- Zunehmende Mimik
- Wachsende Zufriedenheit des Kindes
- Beginn der Lautbildung
Wichtig: Fehlmuster, die sich im Mutterleib entwickelt haben, müssen behutsam umtrainiert werden. Das braucht Zeit und regelmäßige Übung – aber es funktioniert!
Therapiedauer und tägliches Üben
Bis sich eine stabile Funktion eingestellt hat, dauert es in der Regel 2-4 Jahre. Das Kind hat es ja nicht verlernt – es hat es noch nie beherrscht. Es muss von Grund auf neu lernen.
Therapiefrequenz
- • Anfangs: Termine alle 14 Tage beim Therapeuten
- • Später: 1-2x wöchentlich, wenn höhere Frequenz nötig
- • Zu Hause: Täglich üben – das ist entscheidend!
Eltern als Therapeuten: Der Therapeut zeigt den Eltern ein Übungsprogramm, das sie täglich zu Hause mit dem Kind durchführen. Ohne dieses tägliche Üben funktioniert es nicht – 14 Tage Pause bis zum nächsten Termin reichen nicht aus.
Wenige Kernübungen statt Übungsvielfalt
Ein häufiger Fehler in der Therapie ist zu viel Abwechslung. Das Gehirn kann Bewegungsabläufe nur lernen, wenn dieselben Muster immer wieder reproduziert werden.
Warnung: 30-40 verschiedene Übungen sind kontraproduktiv! Konzentrieren Sie sich auf wenige Kernübungen und wiederholen Sie diese konsequent. Nur so können sich die richtigen Verschaltungen im Gehirn bilden.
Behandlung des Näselns
Bei Gaumenspalten kann es zu offenem Näseln (Rhinophonia aperta) kommen. Die logopädische Therapie arbeitet gezielt an der Verbesserung der Gaumensegelfunktion und der korrekten Luftstromlenkung beim Sprechen.
Meilensteine der Entwicklung
Verbessertes Trinken
Nach den Operationen kann Ihr Kind erstmals normal saugen
Beginn der Breinahrung
Schrittweise Einführung fester Nahrung
Erste Kaubewegungen
Training der orofazialen Muskulatur
Sprachentwicklung
Lautbildung und deutliche Aussprache
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die logopädische Therapie ist eingebettet in das Behandlungsteam aus Chirurgen, HNO-Ärzten, Kieferorthopäden und Kinderärzten. Regelmäßiger Austausch sichert den Behandlungserfolg.
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